Marvin Elias, 27.06.2005

Heute erzähle ich euch etwas über Marvin:

Als mein Mann und ich damals geheiratet haben, wollten wir eigentlich fast zeitnah schwanger werden. Leider hatte es bei uns nicht so geklappt, wie wir es uns gewünscht hätten. Wir haben insgesamt 2,5 Jahre versucht schwanger zu werden. Wir haben auch eine  künstliche Befruchtung versucht, die leider auch nicht geklappt hatte. Danach sind wir erst einmal in den Urlaub nach Ibiza gefahren und siehe da zwei Monate später war ich schwanger.

Marvin 3 Tage alt Leider habe ich es nicht auf die schöne Art mitbekommen, dass ich schwanger war. Ich hatte fürchterliche Unterleibsschmerzen. Nach etwa 1,5 Wochen bin ich, da die Schmerzen nicht aufhörten und immer schlimmer wurden, zur Frauenärztin gegangen. Diese meinte, dass ich eine Zyste in der Gebärmutter hätte, aber wir machen zum Ausschluss trotzdem einen Schwangerschaftstest. Ja, der Test hatte angezeigt, dass ich schwanger war. Die Schmerzen und die danach auftretende Übelkeit haben mich bis in den 3. Monat verfolgt.

Während der Schwangerschaft traten bei mir verschiedene Schwierigkeiten auf, z. B.  der Zucker hatte sich immer bemerkbar gemacht. Ich hatte keine Schwangerschaftdiabetes, aber ich musste aufgrund des schlechten Zuckers drei Glukosetests machen. Ich hatte zum Ende der Schwangerschaft extrem mit Wasser zu kämpfen, ab der 32. Schwangerschaftswoche habe ich am ganzen Körper juckenden Ausschlag bekommen. Ich habe bei meiner zweiten Schwangerschaft erfahren, dass meine Plazenta in beiden Schwangerschaften nur  einseitig arbeiteten. Und zum Abschluss hatte ich auch noch mit dem Blutdruck zu kämpfen.

Anfang der 36. Woche ist mir dann die Fruchtblase gerissen. Wir sind einen Monat und zwei Tage vor dem errechneten Termin ins Krankenhaus gefahren. Dort musste ich noch drei Tage und drei Einleitungen über mich ergehen lassen, bis sie mir Marvin voll mit Käseschmiere auf den Bauch legten.

Marvin beim Lachen - September 2005 Marvin Elias ist an unserem 2. Hochzeitstag am 27.06.2005 um 4.38 Uhr und mit einem Gewicht von 2910 g bei einer naturlichen Geburt auf die Welt gekommen. Mein Mann war während der gesamten Geburt bei mir und saß nun neben mir und hatte Tränen in den Augen. Ich guckte mein Kind auf dem Bauch an und dachte, was soll ich jetzt mit ihm machen, versteht mich nicht falsch, ich habe mir nichts mehr gewünscht als ein Kind. Aber jetzt wo er da war, war alles anders.

Ich merkte schnell, dass es irgendwie anders vom Gefühl her war als ich gedacht hatte. Ich hatte irgendwie keine richtigen Gefühle für Marvin.  Wenn ich ihn ansah, war es als wenn ich jemanden Fremden ansah. Nachdem wir nach insgesamt 8 Tagen im Krankenhaus nach Hause konnten, wollte ich mit Marvin nie alleine Zuhause sein. Ich habe lange gebraucht bis ich mit ihm rausgehen konnte, weil ich immer dachte, es passiert etwas, mit was ich nicht fertig werde.

Marvin kurz nach der Geburt Irgendwann war ich mit meinem Mann und meiner Mutter Lebensmittel einkaufen und ich saß noch mit meiner Mutter im Auto. Auf einmal habe ich fürchterlich angefangen zu weinen. Ich konnte gar nicht sagen warum. Meine Mutter dachte damals gleich an den babyblues und sie meinte, ich solle mit jemanden darüber reden. Leider hatte ich damals keinen richtigen Ansprechpartner, aber es kam fast zur gleichen Zeit ein Buch “Ich würde dich gerne lieben” von Brooke Shields auf den Markt, in dem sie über postnatale Depressionen nach der Schwangerschaft schreibt. Genauso, wie sie es beschrieben hatte, erging es mir auch, nur dass ich niemanden gefunden hatte, der mir richtig helfen konnte. Ich habe auch keine Medikamente erhalten, aber ich hatte die gleichen Gedanken nach der Schwangerschaft, wie sie.

So richtig kann ich immer noch nicht darüber schreiben, wie es mir damals ging, es hemmt mich immer noch! Teilweise kann ich mich nicht mehr daran erinnern und/oder die Erinnerungen sind so verdrängt. Im nachhinein kann ich mich noch erinnern, dass ich unbedingt ein Mädchen haben wollte, ich habe mich nicht wirklich darauf eingestellt einen Jungen zu bekommen. Vielleicht war das auch der Ausschlag für die postnatale Depression.

Wie geschrieben, konnte ich Marvin leider nicht so annehmen und liebhaben. Am Anfang hatte ich solche Gedanken, wie “kann das Baby nicht wieder verschwinden”. Nicht das ich Marvin etwas antun wollte, eher hätte ich mir etwas angetan.  Aber ich wusste damals einfach nicht, wie ich mit der Situation umgehen sollte, ich fühlte mich irgend wie im falschen Körper, weil ich selber nicht so richtig verstehen konnte, warum ich so ablehnend gegenüber Marvin war, obwohl ich mir ein Kind gewünscht hatte.

Ich habe ihn versorgt, und mit ihm gespielt, aber ich konnte nicht mit im kuscheln oder liebkosen aufgrund der Depression, was mir im Nachhinein ziemlich wehtut. Marvin fragt mich manchmal, wie es so nach der Geburt mit ihm war, eine richtige Antwort kann ich ihm leider nicht darauf geben, noch nicht. Er ist jetzt einfach noch zu klein, um es richtig zu verstehen.

Damals wusste man noch nicht sehr viel über postnatale Depressionen, heute weiß man besser darüber Bescheid und kann auch besser helfen, wenn man es bemerkt. Es ist nicht schlimm, wenn man solche Gedanken hat, dass hat mit der Krankheit zu tun und man sollte sich selber eingestehen, dass man Hilfe braucht. Das ist sehr wichtig.

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